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Die Einbürgerungsfeier – ein zentrales Element der Willkommenskultur in Deutschland
Einbürgerungsfeiern gewinnen in Deutschland auf kommunaler und Bundesebene zunehmend an Popularität. Am 16. Mai 2009 erhielten 16 MigrantInnen erstmals ihre Einbürgerungsurkunde aus den Händen von Bundeskanzlerin Merkel im Rahmen einer Feierstunde im Kanzleramt.
           

Ende Oktober 2009 sagte der Integrationsminister von NRW, Armin Laschet, angesichts einer neu gestarteten Einbürgerungskampagne seiner Regierung: „Wir brauchen in Deutschland eine Willkommenskultur. Wer sich hier zuhause fühlt, soll auch zuhause sein und deutscher Staatsbürger werden.“ Und die deutschen Innenminister beschlossen schon 2006 auf ihrer Konferenz in Garmisch-Partenkirchen: „Die Einbürgerung soll im feierlichen Rahmen vollzogen werden.“

Der gesellschaftspolitische Boden für Einbürgerungsfeiern scheint also offenbar bereitet zu sein, obwohl oder gerade weil die Einbürgerungszahlen derzeit sinken: von ca. 112.000 im Jahre 2007 auf 95.000 im Jahre 2008.

Auch in Bayern gibt es viele Kommunen, die solche Feste schon veranstaltet haben. Die erste bayerische Stadt war Bamberg, wo eine Feier für die neu Eingebürgerten seit dem Jahr 2000 jährlich stattfindet.
In der großen Kreisstadt Freising wurden in den Jahren 2007 und 2008 Einbürgerungsfeiern durchgeführt, zu denen neben den eingebürgerten Personen auch Stadträte und ehrenamtlich engagierte Bürger vom Oberbürgermeister eingeladen waren. Die Feierlichkeiten wurden im festlich dekorierten großen Sitzungssaal des Rathauses abgehalten. Nach der feierlichen Rede des Oberbürgermeisters Dieter Thalhammer wurde die Stadtverwaltung vorgestellt und es spielten SchülerInnen der Städtischen Musikschule das Bayernlied und die Deutsche Nationalhymne. Die angebotene Führung durch das Freisinger Rathaus kam bei allen sehr gut an. An aufgestellten Stellwänden stellten sich neu gewählte Stadträtinnen und Stadträte vor. Außerdem gab ausreichend Informationsmaterial über die Stadt und andere Organisationen zum Mitnehmen. Als kleine Aufmerksamkeit bekamen die Anwesenden Gutscheine für eine Stadtführung und die Kinder Gummibärchen als Geschenk. Bei einem vegetarischen Buffet bestand im Anschluss noch die Möglichkeit zu Gesprächen. Beide Feiern trafen durchweg auf positive Ressonance und auch die lokale Presse berichtete über die Veranstaltungen sehr anerkennend.

In München fand nach kleineren Feiern 2002 und 2006 die erste zentrale Einbürgerungsfeier am 19. Oktober 2009 im Festsaal des alten Rathauses statt. Im Eingangsbereich des Rathaussaales präsentierten sich in einem „Markt der Möglichkeiten“ Träger von Ehrenamt und Bürgerschaftlichem Engagement. Beauftragte der Sozialbürgerhäuser, das Patenprojekt des Amtes für Wohnen und Migration, die Freiwilligenagentur „Tatendrang“ und andere zeigten den anwesenden Neubürgern politische und bürgerschaftliche Beteiligungsmöglichkeiten auf. Zudem präsentierten sich die Stelle für Interkulturelle Arbeit und die Antidiskriminierungsstelle der LH München.
An eine Rede von Oberbürgermeister Christian Ude, schloss sich ein üppiges Buffet mit musikalischer Begleitung an. Der restliche Abend verlief in offenen Gesprächen zwischen den Gästen und der ebenfalls zahlreich vertretenen stadtpolitischen Prominenz. Es herrschte eine heitere und festliche Atmosphäre – dass viele Neubürger ihre feinste Abendgarderobe gewählt hatten, verdeutlicht die Bedeutung, die sie der Feier beimaßen. Auch in der durchgeführten Evaluation wurde die Feier an sich und die Rede des Oberbürgermeisters als sehr positiv und wertschätzend wahrgenommen. Darüber hinaus wurde von den Eingebürgerten weitere Symbolik wie die Nationalhymne, das Bayernlied, deutsche und/ oder bayerische Fahnen sowie ein bayerisches Buffet und zusätzliche bayerische Musik gewünscht.
Nach dem sehr erfolgreichen Verlauf der Veranstaltung sind für die Zukunft jährliche Einbürgerungsfeiern geplant. Bedauerlich war nur, dass - im Gegensatz zu ähnlichen Veranstaltungen in anderen Städten – dieses Ereignis in der Münchner Presse sowie der innerstädtischen Presseorgane keinerlei Widerhall fand. Dies steht im Widerspruch von Willkommenskultur als einem Ansatz der öffentlichen Meinung. Ein Willkommensgruß, von dem ein Großteil der Mehrheitsgesellschaft, von der er angeblich ausgeht, nichts mitbekommt, ist letztlich nur die Hälfte wert.

Broschüre Einbürgerungsfeiern – ein Leitfaden für Kommunen
Die Broschüre ist unter „Publikationen“ erhältlich und bietet Hinweise zur Vorbereitung, Durchführung und Evaluation von Einbürgerungsfeiern.



Weitere Informationen zum Thema Einbürgerung finden sich unter:

Deutsche Bundesregierung: Einbürgerung, Anspruchseinbürgerung
www.einbuergerung.de

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Programm Vielfalt tut gut, Merkblatt für eine Presseerklärung
http://www.vielfalt-tut-gut.de/content/index_ger.html (Merkblatt für eine Pressemitteilung)


Aachen: Rede des Oberbürgermeisters Dr. Jürgen Linden zur Einbürgerungsfeier 2008
http://www.aachen.de/DE/stadt_buerger/oberbuergermeister/alt_ob_juergen_linden/ob_reden/2302-einbuergerungsfeier.pdf

Bamberg (Europäisches Forum für Migrationsstudien): Einbürgerungsfeier 2000
http://www.efms.uni-bamberg.de/tagein_d.htm

Berlin: Interkultureller Kalender
http://www.berlin.de/lb/intmig/publikationen/kalender

Hamburg: Sechste Einbürgerungsfeier im Hamburger Rathaus Mai 2009
http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/1433716/2009-05-08-pr-einbuergerungsfeier.html

Mülheim an der Ruhr: Erste Einbügerungsfeier 2007
http://www.muelheim-ruhr.de/cms/erste_einbuergerungsfeier_in_muelheim_an_der_ruhr.html

Stadt München
http://www.muenchen.de/Rathaus/kvr/staatsangeh/einbuerg/38319/index.html

Passau: Bekenntnis- und Loyalitätserklärung (Einbürgerung)
http://www.landkreis-passau.de/internet-links/Sg42/Formulare/42%20Bekenntnis-%20und%20Loyalit%C3%A4tserkl%C3%A4rung.pdf


Citicenship and Immigration Canada: Einbürgerung
http://www.cic.gc.ca/english/celebrate/menu-promotion.asp

Das Projekt wird von 11/08-11/11 gefördert durch:
• Europäischer Integrationsfonds,
• Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und
• Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und
  Sozialordnung, Familie und Frauen

Ein Projekt des VIA Bayern - Verband für Interkulturelle Arbeit e.V.                             www.via-bayern.de         

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