| Ende Oktober
2009 sagte der Integrationsminister von NRW, Armin Laschet,
angesichts einer neu gestarteten Einbürgerungskampagne
seiner Regierung: „Wir brauchen in Deutschland eine
Willkommenskultur. Wer sich hier zuhause fühlt, soll
auch zuhause sein und deutscher Staatsbürger werden.“
Und die deutschen Innenminister beschlossen schon 2006 auf
ihrer Konferenz in Garmisch-Partenkirchen: „Die Einbürgerung
soll im feierlichen Rahmen vollzogen werden.“
Der gesellschaftspolitische Boden für Einbürgerungsfeiern
scheint also offenbar bereitet zu sein, obwohl oder gerade
weil die Einbürgerungszahlen derzeit sinken: von ca.
112.000 im Jahre 2007 auf 95.000 im Jahre 2008.
Auch in Bayern gibt es viele Kommunen, die solche Feste schon
veranstaltet haben. Die erste bayerische Stadt war Bamberg,
wo eine Feier für die neu Eingebürgerten seit dem
Jahr 2000 jährlich stattfindet.
In der großen Kreisstadt Freising wurden in
den Jahren 2007 und 2008 Einbürgerungsfeiern durchgeführt,
zu denen neben den eingebürgerten Personen auch Stadträte
und ehrenamtlich engagierte Bürger vom Oberbürgermeister
eingeladen waren. Die Feierlichkeiten wurden im festlich dekorierten
großen Sitzungssaal des Rathauses abgehalten. Nach der
feierlichen Rede des Oberbürgermeisters Dieter Thalhammer
wurde die Stadtverwaltung vorgestellt und es spielten SchülerInnen
der Städtischen Musikschule das Bayernlied und die Deutsche
Nationalhymne. Die angebotene Führung durch das Freisinger
Rathaus kam bei allen sehr gut an. An aufgestellten Stellwänden
stellten sich neu gewählte Stadträtinnen und Stadträte
vor. Außerdem gab ausreichend Informationsmaterial über
die Stadt und andere Organisationen zum Mitnehmen. Als kleine
Aufmerksamkeit bekamen die Anwesenden Gutscheine für
eine Stadtführung und die Kinder Gummibärchen als
Geschenk. Bei einem vegetarischen Buffet bestand im Anschluss
noch die Möglichkeit zu Gesprächen. Beide Feiern
trafen durchweg auf positive Ressonance und auch die lokale
Presse berichtete über die Veranstaltungen sehr anerkennend.
In München fand nach kleineren Feiern 2002 und
2006 die erste zentrale Einbürgerungsfeier am 19. Oktober
2009 im Festsaal des alten Rathauses statt. Im Eingangsbereich
des Rathaussaales präsentierten sich in einem „Markt
der Möglichkeiten“ Träger von Ehrenamt und
Bürgerschaftlichem Engagement. Beauftragte der Sozialbürgerhäuser,
das Patenprojekt des Amtes für Wohnen und Migration,
die Freiwilligenagentur „Tatendrang“ und andere
zeigten den anwesenden Neubürgern politische und bürgerschaftliche
Beteiligungsmöglichkeiten auf. Zudem präsentierten
sich die Stelle für Interkulturelle Arbeit und die Antidiskriminierungsstelle
der LH München.
An eine Rede von Oberbürgermeister Christian Ude, schloss
sich ein üppiges Buffet mit musikalischer Begleitung
an. Der restliche Abend verlief in offenen Gesprächen
zwischen den Gästen und der ebenfalls zahlreich vertretenen
stadtpolitischen Prominenz. Es herrschte eine heitere und
festliche Atmosphäre – dass viele Neubürger
ihre feinste Abendgarderobe gewählt hatten, verdeutlicht
die Bedeutung, die sie der Feier beimaßen. Auch in der
durchgeführten Evaluation wurde die Feier an sich und
die Rede des Oberbürgermeisters als sehr positiv und
wertschätzend wahrgenommen. Darüber hinaus wurde
von den Eingebürgerten weitere Symbolik wie die Nationalhymne,
das Bayernlied, deutsche und/ oder bayerische Fahnen sowie
ein bayerisches Buffet und zusätzliche bayerische Musik
gewünscht.
Nach dem sehr erfolgreichen Verlauf der Veranstaltung sind
für die Zukunft jährliche Einbürgerungsfeiern
geplant. Bedauerlich war nur, dass - im Gegensatz zu ähnlichen
Veranstaltungen in anderen Städten – dieses Ereignis
in der Münchner Presse sowie der innerstädtischen
Presseorgane keinerlei Widerhall fand. Dies steht im Widerspruch
von Willkommenskultur als einem Ansatz der öffentlichen
Meinung. Ein Willkommensgruß, von dem ein Großteil
der Mehrheitsgesellschaft, von der er angeblich ausgeht, nichts
mitbekommt, ist letztlich nur die Hälfte wert.
Broschüre Einbürgerungsfeiern – ein
Leitfaden für Kommunen
Die Broschüre ist unter „Publikationen“
erhältlich und bietet Hinweise zur Vorbereitung, Durchführung
und Evaluation von Einbürgerungsfeiern.
Weitere Informationen zum Thema Einbürgerung
finden sich unter:
Deutsche Bundesregierung: Einbürgerung, Anspruchseinbürgerung
www.einbuergerung.de
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:
Programm Vielfalt tut gut, Merkblatt für eine Presseerklärung
http://www.vielfalt-tut-gut.de/content/index_ger.html
(Merkblatt für eine Pressemitteilung)
Aachen: Rede des Oberbürgermeisters Dr. Jürgen Linden
zur Einbürgerungsfeier 2008
http://www.aachen.de/DE/stadt_buerger/oberbuergermeister/alt_ob_juergen_linden/ob_reden/2302-einbuergerungsfeier.pdf
Bamberg (Europäisches Forum für Migrationsstudien):
Einbürgerungsfeier 2000
http://www.efms.uni-bamberg.de/tagein_d.htm
Berlin: Interkultureller Kalender
http://www.berlin.de/lb/intmig/publikationen/kalender
Hamburg: Sechste Einbürgerungsfeier im Hamburger Rathaus
Mai 2009
http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/1433716/2009-05-08-pr-einbuergerungsfeier.html
Mülheim an der Ruhr: Erste Einbügerungsfeier 2007
http://www.muelheim-ruhr.de/cms/erste_einbuergerungsfeier_in_muelheim_an_der_ruhr.html
Stadt München
http://www.muenchen.de/Rathaus/kvr/staatsangeh/einbuerg/38319/index.html
Passau: Bekenntnis- und Loyalitätserklärung (Einbürgerung)
http://www.landkreis-passau.de/internet-links/Sg42/Formulare/42%20Bekenntnis-%20und%20Loyalit%C3%A4tserkl%C3%A4rung.pdf
Citicenship and Immigration Canada: Einbürgerung
http://www.cic.gc.ca/english/celebrate/menu-promotion.asp
|